Verliere ich nicht meine Authentizität? 🤔
„Der charmante Umgang mit Menschen und Situationen“ – so heißt ein Seminar für Menschen mit Kundenkontakt, das ich in den vergangenen Zeit fünfmal für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter engagierter Bibliotheken durchführen durfte.

Wer mich und meine „Verkaufsseminare“ kennt, weiß, dass es dabei eigentlich um etwas anderes geht als um Verkaufstechniken. Es geht um die Frage, wie wir Menschen begegnen möchten.
Es geht um Haltung.
Wir sprechen darüber, was passiert, wenn wir Kundinnen und Kunden nicht als Kundschaft betrachten, sondern als Gäste. Und darüber, wie sich unser Verhalten verändert, wenn wir selbst die Rolle der Gastgeberin oder des Gastgebers einnehmen.
Mitten in einem dieser Seminare meldete sich eine Teilnehmerin und stellte eine Frage, die mich noch lange beschäftigt hat:
„Wenn ich Ihre Ideen umsetze, verliere ich dann nicht meine Authentizität? Bin ich dann überhaupt noch ich?“ 🤔
Eine spannende Frage.
Und vermutlich eine Frage, die sich viele Menschen schon einmal gestellt haben – nicht nur im Kundenkontakt.
Denn manchmal begegnen wir einer Idee, die wir eigentlich gut finden. Wir erkennen ihren Nutzen, können ihren Sinn nachvollziehen und spüren trotzdem einen leichten Widerstand.
Da meldet sich eine innere Stimme, die sagt:
🚫 „Das passt nicht zu mir.“
🚫 „So bin ich eigentlich nicht.“
🚫 „Das fühlt sich komisch an.“
Die Teilnehmerin bezog ihre Frage auf Themen wie aktives Zuhören, den Umgang mit Beschwerden oder eine bewusst gastfreundliche Haltung gegenüber Kundinnen und Kunden.
Nichts davon ist kompliziert. Und doch spürte sie, dass etwas in ihr auf die Bremse trat.
Je länger wir darüber sprachen, desto deutlicher wurde mir, dass es wahrscheinlich gar nicht um Authentizität ging.
Es ging vielmehr um die Sorge, sich selbst zu verlieren, wenn man beginnt, etwas anders zu machen als bisher.
Die gute Nachricht ist: Genau das passiert meistens nicht.
Wenn wir neue Fähigkeiten lernen, werden wir nicht zu einem anderen Menschen.
Wir erweitern lediglich die Möglichkeiten, die wir haben.
Ein Musiker bleibt derselbe Mensch, auch wenn er ein neues Instrument erlernt. Eine Führungskraft bleibt dieselbe Person, wenn sie lernt, bessere Gespräche zu führen. Und eine Gastgeberin verliert nicht ihre Persönlichkeit, nur weil sie aufmerksamer zuhört oder gezielter nachfragt.
Warum sollte das im Kundenkontakt anders sein?
Die Gastgeberrolle 🤝
Ich habe die Teilnehmerin gefragt, was für sie eine gute Gastgeberin ausmacht.
Die Antworten kamen schnell.
• Eine gute Gastgeberin sorgt dafür, dass sich ihre Gäste willkommen fühlen.
• Sie interessiert sich für ihr Gegenüber.
• Sie hört zu.
• Sie hilft, wenn Hilfe gebraucht wird.
Interessant war, dass niemand von Verkaufstechniken sprach.
Niemand erwähnte Fragetechniken, Formulierungen oder Strategien.
Es ging ausschließlich um die Haltung dahinter.
Und genau deshalb gefällt mir das Bild der Gastgeberin oder des Gastgebers so gut.
Denn diese Rolle verändert nicht, wer wir sind. Sie verändert lediglich unseren Blick auf die Situation.
Wenn ich meine Kund:innen als Gast betrachte, ergibt sich vieles fast von selbst. Ich höre genauer hin. Ich frage anders nach. Ich interessiere mich stärker für das Anliegen meines Gegenübers.
Nicht weil ich mich verstelle. Sondern weil ich mir bewusst gemacht habe, welche Rolle ich einnehmen möchte.
Mehr von dem zeigen, was ohnehin schon da ist ✨
Vielleicht bedeutet persönliche Entwicklung gar nicht, jemand anderes zu werden.
Vielleicht bedeutet sie vielmehr, mehr von dem sichtbar werden zu lassen, was ohnehin schon in uns steckt.
Wer Wertschätzung wichtig findet, darf lernen, sie deutlicher auszudrücken. Wer Menschen gerne unterstützt, darf lernen, dies noch wirksamer zu tun. Und wer ein guter Gastgeber sein möchte, darf Fähigkeiten entwickeln, die genau das ermöglichen.
Das hat mit Verstellen nichts zu tun. Im Gegenteil. Oft kommen wir unserem besten Selbst gerade dann näher, wenn wir bereit sind, Neues auszuprobieren.
Oder wie ich es gerne ausdrücke:
Besser geht nicht ohne anders. 😊
Herzliche Grüße.
Ihr Jörg Winter
PS: Wenn Sie sich auch ein Inhouse-Training für Ihre Mitarbeitenden wünschen in dem Ihr Team lernt, mit Begeisterung auf Ihre Kund:innen zuzugehen und mehr zu verkaufen, dann lassen Sie uns ein kostenfreies Erstgespräch führen. Ich freue mich darauf, von Ihnen zu hören.

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